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Gesprächskreis zur Situation der Flüchtlinge in der Ausbildung

Mit der „Situation der Flüchtlinge in der Ausbildung“ beschäftigte sich ein Gesprächskreis mit Vertretern der Schule, von Industrie- und Handwerkskammer, Innungsvertretern, und mit Peter Hauk, dem Minister für Ländlichen Raum. Obwohl die Flüchtlinge für die regionale Wirtschaft, vor allem für das Handwerk, theoretisch eine gern gesehene Ressource für die Gewinnung von Auszubildenden sind, ergibt sich in der Praxis oftmals ein Problem: die mangelnden Deutschkenntnisse.Fluechtlinge in Ausbildung

Zunächst stellten der Schulleiter der Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB), Konrad Trabold, sein Stellvertreter, Heiko Ihrig, und der Fachabteilungsleiter der Nahrungsabteilung, Christof Kieser, die Situation an der ZGB vor. An der ZGB werden zurzeit insgesamt 49 Flüchtlinge beschult. Die Mehrzahl davon besucht spezielle Klassen für Schüler ohne Deutschkenntnisse (VABO), in denen hauptsächlich Deutsch unterrichtet wird. Sobald ein Schüler jedoch bei Schulbeginn volljährig ist oder einen Ausbildungsvertrag besitzt, muss er in einer Schulart unterrichtet werden, bei dem die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache nicht im Fokus steht. 18 von ihnen besuchen die Berufsfachschule oder die Berufsschule. In diesen Schularten ist jeweils nur eine Stunde „Deutsch“ pro Woche im Stundenplan vorgesehen, dessen Ziel auch nicht der Spracherwerb ist. Die Mehrzahl dieser Schüler hat gravierende Sprachprobleme und ist deshalb auch nicht in der Lage dem theoretischen Unterricht zu folgen, ist folglich eigentlich auch nicht ausbildungsfähig. Die Konsequenz hieraus wird sein, dass der Abschluss einer erfolgreichen Berufsausbildung in drei Jahren massiv gefährdet ist. Das ist vor allem deswegen ärgerlich, weil die Schüler im praktischen Bereich oftmals gute und sehr gute Leistungen zeigen, die Betriebe mit ihrer Arbeit meist auch zufrieden sind und diese Schüler in Berufen eine Ausbildung beginnen, die es schwer haben überhaupt genügend Auszubildende zu finden.

 

Der Abschluss eines Ausbildungsvertrags bietet für die Flüchtlinge einen Vorteil: er schützt sie für die Dauer der Ausbildung vor einer bevorstehenden Abschiebung. Deswegen werden mitunter zwischen Ausbildungsbetrieben und interessierten jungen Flüchtlingen Ausbildungsverträge abgeschlossen, ohne die zu erwartenden schulischen Probleme hinreichend zu berücksichtigen.

Weitere Probleme sind, dass die Schüler mit besseren Deutschkenntnissen sowie die Muttersprachler im Unterricht „gebremst“ werden und es natürlich auch für die Lehrer frustrierend ist, wenn bereits ihre Fragestellungen mehrfach erläutert werden müssen.

Rainer Kettner von der Handwerkskammer Mannheim - Rhein-Neckar - Odenwald und Ulrich Floß von der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar bestätigten diese Problematik und betonten, dass eine ausreichende Sprachbeherrschung mindestens nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen B1, unabdingbar sei. Die Unternehmen seien daran interessiert, dass die mühsam gewonnenen Ausbildungswilligen blieben, weswegen eher Ausbildungsverträge und keine Praktikumsverträge geschlossen werden. In Ballungszentren gibt es bereits die Möglichkeit des Besuchs der „Einstiegsqualifizierung plus Sprache“ (EQplus). Dieses Angebot beinhaltet eine Praxisphase im Unternehmen (3 Tage/Woche) und einen begleitenden Sprachkurs (12 UE/Woche) und bietet somit eine fachliche und sprachliche Vorbereitung auf eine zukünftige Ausbildung. Allerdings wird im Neckar-Odenwald-Kreis EQplus nicht angeboten, weil das Wissen um diese Möglichkeit bzw. die Nachfrage danach bislang zu gering war. Zudem verhindere der Besuch einer EQplus-Veranstaltung nicht die mögliche Abschiebung.

Minister Hauk stellte fest, dass es Ziel der Politik sei, die Zahl der rechtlich vorgegebenen Abschiebungen zu erhöhen und gesetzliche Vorgaben gleichermaßen anzuwenden seien. Insofern kann es nicht erstrebenswert sein, einzelne Präzedenzfälle zu schaffen, um bspw. Flüchtlinge in einem Praktikum vor Abschiebungen zu bewahren, vor allem wenn sie aus sicheren Herkunftsstaaten kämen. Geschuldet sei dies der Tatsache, dass Deutschland es versäumt habe, ein Einwanderungsgesetz zu schaffen, in dem klare Zuwanderungskriterien festgeschrieben werden könnten. Herr Hauk kündigte an, in den nächsten Tagen mit dem Innenminister über dieses Thema zu reden, um im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten geeigneten, sich im Praktikum befindlichen Flüchtlingsbewerbern eine ausreichende vorbereitende Maßnahme zum Spracherwerb zu ermöglichen, wenn diese mit der Vereinbarung eines anschließenden Ausbildungsverhältnisses gekoppelt sei. Dies würde dem Engagement sowohl der dafür geeigneten Flüchtlinge als auch den ausbildungswilligen Betrieben und insbesondere dem Fachkräftebedarf im Handwerk entgegenkommen.

Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass der vorbereitende Erwerb von Deutschkenntnissen für die potentiellen Auszubildenden unter den Flüchtlingen unerlässlich ist, um eine erfolgreiche Ausbildung zum Nutzen aller Beteiligten zu ermöglichen.